THESEN
ZUR KURZEN DARLEGUNG DER LEHRSTELLUNG
DER
IMMANUEL-GEMEINDE STEEDEN
Evangelisch-Lutherische
Immanuel-Gemeinde Steeden
Runkel-Steeden 2001
Inhaltsverzeichnis
1.Von
der Heiligen Schrift.
2.Von Gott.
3.Von der Schöpfung der Welt.
4.Vom Menschen und von der Sünde.
5.Von der Erlösung.
6.Vom Glauben an Christum
7.Von der Bekehrung.
8.Von der Rechtfertigung.
9.Von den guten Werken.
10. Von den Gnadenmitteln.
11. Von der Kirche.
12. Vom öffentlichen Predigtamt.
13. Von Kirche und Staat.
14. Von der ewigen Erwählung.
15. Vom Sonntag.
16. Vom Chiliasmus
17. Vom Antichrist
18. Von offenen Fragen.
19. Von den Symbolen der lutherischen Kirche.
Neuauflage
der
"Thesen zur kurzen Darlegung der Lehrstellung der
Missourisynode" (Evangelisch-Lutherische Synode
von Missouri, Ohio u.a. Staaten) Chicago, 2. Dezember
1932
Diese
Thesen fassen klar die Lehren der Heiligen Schrift
zusammen und stehen in völligem Einklang mit dem
Bekenntnis der evangelisch-lutherischen Kirche. Darum
stellt diese historische Schrift auch die aktuelle
Stellung unserer Immanuel-Gemeinde in der Lehre des
Wortes Gottes dar.
Wenn
Sie an näheren Informationen interessiert sind, nutzen
Sie bitte die Kontaktmöglichkeiten, die am Schluß
angegeben sind.
1. Von
der Heiligen Schrift.
1.
Wir lehren, daß die Heilige Schrift im Unterschiede von
allen Büchern, die es sonst noch in der Welt gibt,
Gottes Wort ist, weil die heiligen Menschen Gottes, die
die Heilige Schrift geschrieben haben, nur das schrieben,
was der Heilige Geist ihnen eingab, 2 Tim. 3,16; 2 Petr.
11, 21. Wir lehren auch, daß die wörtliche Eingebung
der Heiligen Schrift (die Verbalinspiration) nicht eine
sogenannte "theologische Folgerung" ist,
sondern in den Worten der Schrift direkt ausgesprochen
vorliegt, 2 Tim. 3, 16; Joh. 10,35; Röm. 3,2; 1 Kor.
2,13. Weil die Heilige Schrift Gottes Wort ist, so
versteht es sich von selbst, daß sich in ihr keinerlei
Irrtümer oder Widersprüche finden, daß sie vielmehr in
allen ihren Teilen und Worten unverbrüchliche Wahrheit
ist, auch in geschichtlichen, geographischen und andern
natürlichen Dingen, Joh. 10, 35.
2.
Wir lehren ferner von der Heiligen Schrift, daß sie von
Gott der christlichen Kirche zum Glaubensgrund gegeben
ist, Eph. 2,20. Die Heilige Schrift ist daher die einzige
Quelle, aus der alle Lehre, die in der christlichen Kirche
gelehrt wird, zu schöpfen ist, und daher auch die
einzige Regel und Richtschnur, nach der alle Lehrer und
Lehren zu beurteilen und zu richten sind. Wir
lehren auch mit dem Bekenntnis unserer Kirche, daß die
"Glaubensregel" (analogia fidei), nach
der die Heilige Schrift zu verstehen ist, die klaren
Stellen der Schrift selbst sind, die von den
einzelnen Lehren handeln. (Apologie; Triglotta, S.
440, § 60; Müller, S. 284.) Nicht ist
"Glaubensregel" ein von Menschen gemachtes
sogenanntes "Ganzes der Schrift'.
3.
Wir verwerfen die in der Kirche unserer Zeit sogar
unter dem Namen "Wissenschaft"
weitverbreitete Lehre, daß die Heilige Schrift
nicht in allen ihren Teilen Gottes Wort, sondern teils
Gottes Wort, teils Menschenwort sei, daher auch Irrtümer
enthalte, mindestens enthalten könne. Wir verwerfen
diese Lehre als eine erschreckliche und
gotteslästerliche, weil sie Christo und seinen heiligen
Aposteln ins Angesicht widerspricht, Menschen zu Richtern
über Gottes Wort einsetzt und damit den Grund umstoesst,
auf dem die christliche Kirche mit ihrem Glauben steht.
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2. Von
Gott.
4.
Auf Grund der Heiligen Schrift lehren wir den hohen
Artikel von der heiligen Dreieinigkeit; das ist, wir
lehren, daß der eine wahre Gott, 5 Mose 6, 4; 1
Kor. 8, 4, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist
ist, drei unterschiedene Personen, aber ein und
desselben göttlichen Wesens, gleich gewaltig,
gleich ewig, gleicher Majestät, weil Jede Person das eine
göttliche Wesen ganz hat, Kol. 2,9; Matth.
28,19. Von allen Lehrern und Gemeinschaften, die den
Artikel von der heiligen Dreieinigkeit leugnen, halten
wir, daß sie außerhalb der christlichen Kirche stehen.
Der dreieinige Gott ist der uns Menschen gnädige Gott,
Joh. 3, 16 18; 1 Kor. 12,3. Es gibt für uns
Menschen nach dem Sündenfall keinen Glauben an die
"Vaterschaft' Gottes ohne den Glauben an den ewigen
Sohn Gottes, der Mensch geworden ist und uns Menschen
durch seine stellvertretende Genugtuung mit Gott
versöhnt hat, 1 Joh. 2, 23; Joh. 14,6. Wir warnen daher
vor der unitarischen Religion, die hierzulande weithin in
die Sekten eingedrungen ist und namentlich auch durch die
Logen verbreitet wird.
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3. Von
der Schöpfung der Welt.
5.
Wir lehren, daß Gott Himmel und Erde geschaffen hat, und
zwar in der Weise und in der Zeit, die in der Schrift und
sonderlich 1 Mose 1 und 2 berichtet ist, nämlich durch
Gottes allmächtiges Schöpferwort und in sechs Tagen.
Wir verwerfen jede Lehre, wodurch das in der Schrift
berichtete göttliche Schöpfungswerk ganz geleugnet oder
doch eingeschränkt wird. Dies geschieht zu unserer Zeit
von denen, die angeblich der menschlichen
Wissenschaft zuliebe behaupten, daß die Welt auf
dem Wege der Evolution entstanden sei, das ist, in mehr
oder weniger ungeheuren Zeiträumen sich mehr oder
weniger aus sich selbst entwickelt habe. Weil kein Mensch
zugegen war, als es Gott gefiel, die Welt zu schaffen, so
sind wir Menschen hinsichtlich eines zuverlässigen
Schöpfungsberichts auf Gottes eigenen Bericht
angewiesen, den wir in Gottes eigenem Buch, der Bibel,
haben. Wir nehmen Gottes eigenen Bericht mit voller
Zuversicht an und bekennen mit Luthers Katechismus: 'Ich
glaube, daß mich Gott geschaffen hat samt allen
Kreaturen.'
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4.
Vom Menschen und von der Sünde.
6.
Wir lehren, daß Gott die ersten Menschen weder tierartig
noch auch bloß bildungsfähig, sondern nach seinem
eigenen Bilde geschaffen hat, 1 Mose 1, 26. 27; Eph.
4, 24; Kol. 3, 10, das ist, in wahrer Gotteserkenntnis
und in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit, auch
begabt mit wirklich wissenschaftlicher Naturerkenntnis, 1
Mose 2, 19 23.
7.
Wir lehren ferner, daß die Sünde durch den 1 Mose 3
berichteten Sündenfall der ersten Menschen in die Welt
gekommen ist und daß durch diesen Sündenfall nicht nur
die ersten Menschen, sondern auch alle ihre natürlichen
Nachkommen die anerschaffene Weisheit, Gerechtigkeit und
Heiligkeit verloren haben und nun in Sünden tot, zu
allem Bösen geneigt und dem Zorne Gottes verfallen
geboren werden, Röm. 5, 12. 18; Eph. 2, 1 3. Wir
lehren auch, daß die Menschen durch kein Tun ihrerseits,
auch nicht durch Kultur und Wissenschaft, sich mit Gott
versöhnen und so Tod und ewige Verdammnis überwinden
können.
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5.
Von der Erlösung.
8.
Wir lehren, daß in der Fülle der Zeit der ewige Sohn
Gottes Mensch geworden ist, und zwar in der Weise,
daß er aus Maria, der Jungfrau, durch Wirkung des
Heiligen Geistes eine uns gleiche, doch sündlose,
menschliche Natur in seine göttliche Person aufnahm.
Jesus Christus ist daher "wahrhaftiger Gott, vom
Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch,
von der Jungfrau Maria geboren!', wahrer Gott und wahrer
Mensch in einer ungetrennten und unzertrennlichen
Person. Dies Wunder der Menschwerdung des Sohnes Gottes
ist aber geschehen, damit der menschgewordene Sohn Gottes
der Mittler würde zwischen Gott und den Menschen,
nämlich an Stelle der Menschen das göttliche Gesetz
erfülle und an Stelle der Menschen leide und sterbe. Auf
diese Weise hat Gott die ganze sündige Menschheit mit
sich selbst versöhnt, Gal. 4, 4. 5; 3, 13; 2 Kor. 5, 18.
19.
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6.
Vom Glauben an Christum
9.
Weil Gott die ganze Menschenwelt durch seines Sohnes
stellvertretendes Leben und Leiden mit sich versöhnt hat
und die durch Christum geschehene Versöhnung im
Evangelium predigen läßt, damit sie von den Menschen geglaubt
werde, 2 Kor. 5, 18. 19; Röm. 1, 5, so ist für alle
Menschen der Glaube an Christum die einzige Art und'
Weise, wie sie ihrerseits der Versöhnung mit Gott, das
ist, der Vergebung der Sünden, teilhaftig werden, wie
die Schrift Alten und Neuen Testaments bezeugt, Apost.
10, 43; Joh. 3,16 18.36. Unter dem Glauben an
Christum, durch den die Menschen der Vergebung der
Sünden teilhaftig werden, verstehen wir nicht
menschliche Versuche, Gottes Gesetz nach dem Vorbilde
Christi zu halten, sondern den Glauben an das Evangelium,
das ist, an die Vergebung der Sünden oder
Rechtfertigung, die uns von Christo vollkommen erworben
worden ist und im Evangelium dargeboten wird; und dieser
Glaube rechtfertigt, nicht insofern er ein menschliches
Werk ist, sondern insofern er die dargebotene Gnade, das
ist, die Vergebung der Sünden, ergreift, Röm. 4,16.
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7.
Von der Bekehrung.
10.
Wir lehren, daß die Bekehrung darin besteht, daß der
Mensch, nachdem er sich aus dem Gesetz Gottes als einen
verdammungswürdigen Sünder erkannt hat, zum Glauben
an das Evangelium kommt, das ihm um Christi
stellvertretender Genugtuung willen Vergebung der Sünden
und die Seligkeit zusagt, Apost. 11, 21; Luk. 24, 46. 47;
Apost. 26,18.
11.
Weil nach dem Sündenfall alle Menschen in Sünden tot,
Eph. 2,1 3, und nur zum Bösen geneigt sind, 1 Mose
6, 5; 8, 21; Röm. 8, 7, und sonderlich das Evangelium
von dem für die Sünden der Welt gekreuzigten Christus
für eine Torheit halten, 1 Kor. 2,14, so ist der Glaube
an das Evangelium oder die Bekehrung zu Gott weder ganz
noch zum geringsten Teil ein Werk des Menschen, sondern
ein Werk der göttlichen Gnade und Allmacht allein, Phil.
1, 29; Eph. 2,8; 1, 19; Jer. 31, 18. Die Schrift
nennt daher den Glauben des Menschen oder seine Bekehrung
auch eine Erweckung von den Toten, Eph. 1, 20; Kol. 2,12,
eine Geburt aus Gott, Joh. 1, 12.13, eine Neugeburt aus
dem Evangelium, 1 Petr. 1, 23 25, eine Wirkung
Gottes wie die Erschaffung des Lichts bei der Erschaffung
der Welt, 2 Kor. 4, 6.
12.
Auf Grund dieser klaren Aussagen der Heiligen Schrift
verwerfen wir jeden Synergismus, nämlich die
Lehre, daß die Bekehrung nicht allein durch Gottes Gnade
und Macht, sondern auch zum Teil durch des Menschen
Mitwirkung zustande komme, nämlich durch des Menschen
rechtes Verhalten, seine rechte Selbstentscheidung oder
Selbstbestimmung, seine geringere Schuld oder sein
weniger übles Verhalten im Vergleich mit andern Menschen
seine Unterlassung des mutwilligen Widerstrebens und
anderes, wodurch des Menschen Bekehrung und Seligkeit aus
Gottes Gnadenhand genommen und in des Menschen Tun oder
Lassen gestellt wird. Denn auch das Unterlassen des
mutwilligen oder irgendwelchen Widerstrebens gegen
die bekehrende Wirkung des Heiligen Geistes ist allein
ein Werk der Gnade, die "aus Unwilligen Willige
macht", Hesek. 36, 26; Phil. 2, 13. Wir verwerfen
auch die Lehre, daß der Mensch sich vermittels
"geschenkter Gnadenkräfte' für die Bekehrung
entscheide, weil dieser Lehre die Meinung zugrunde liegt,
daß der Mensch vor seiner Bekehrung noch gute
Kräfte habe, vermöge deren er mitgeteilte Kräfte gut
gebrauchen könne.
13.
Andererseits verwerfen wir in der Lehre von der Bekehrung
auch den Calvinismus, das ist, die Lehre, daß
Gott nicht alle Hörer des Wortes, sondern nur einen Teil
derselben bekehren und selig machen wolle. Denn daß
viele Hörer des Wortes nicht bekehrt und selig werden,
kommt nicht daher, daß Gott nicht auch sie ernstlich
bekehren und selig machen wollte, sondern lediglich
daher, daß sie der Gnadenwirksamkeit des Heiligen
Geistes hartnäckig widerstreben, wie die Schrift klar
lehrt Apost. 7,51; Matth. 23, 37; Apost. 13, 46.
14.
Was die Frage betrifft, woher es komme, daß nicht alle
Menschen bekehrt und selig werden, weil doch die Gnade
Gottes allgemein ist und alle Menschen in dem gleichen
gänzlichen Verderben liegen, so bekennen wir, daß wir
diese Frage nicht beantworten können, sondern aus der
Schriftnur so viel wissen: daß Menschen bekehrt und
selig werden, haben sie nicht ihrer geringeren Schuld
oder ihrem besseren Verhalten, sondern allein der Gnade
Gottes zu verdanken; daß aber Menschen unbekehrt
bleiben, ist ihre eigene Schuld, nämlich die Folge ihres
hartnäckigen Widerstrebens gegen die bekehrende Wirkung
des Heiligen Geistes, Hos. 13,9.
15.
Unsere Weigerung, über diese zwei in der Schrift
geoffenbarten Wahrheiten hinauszugehen, ist nicht
"verdeckter Calvinismus"
("Cryptocalvinismus"), sondern genau die
schriftgemäße Lehre der lutherischen Kirche, wie sie in
der Konkordienformel ausführlich dargelegt wird,wenn sie
sagt (Trigtotta, S. 1080, § 57 59. 60 b. 62. 63;
Müller, S.716f.): "Einer wird verstockt,
verblendet, in verkehrten Sinn gegeben, ein anderer, so
wohl in gleicher Schuld, wird wiederum bekehrt usw.: in
diesen und dergleichen Fragen setzt uns Paulus ein
gewisses Ziel, wie fern wir gehen sollen, nämlich daß
wir bei einem Teil erkennen sollen Gottes Gericht. Denn
es sind wohlverdiente Strafen der Sünden, wenn Gott an
einem Lande oder Volk die Verachtung seines Wortes also
straft, daß es auch über die Nachkommen geht, wie an
den Juden zu sehen; dadurch Gott den Seinen an etlichen
Landen und Personen seinen Ernst zeigt, was wir alle wohl
verdient hätten, würdig und wert wären, weil wir uns
gegen Gottes Wort übel verhalten und den Heiligen Geist
oft schwerlich betrüben, auf daß wir in Gottesfurcht
leben und Gottes Güte ohne und wider unser
Verdienst an und bei uns, denen er sein Wort gibt und
läßt, die er nicht verstockt und verwirft, erkennen und
preisen.... Und solch sein gerechtes und wohlverdientes
Gericht läßt er schauen an etlichen Ländern, Völkern
und Personen, auf daß wir, wenn wir gegen ihnen gehalten
und mit ihnen verglichen (quam simillimi illis deprehensi,
das heißt, ihnen völlig gleich erfunden), desto
fleißiger Gottes lautere, unverdiente Gnade an den
Gefäßen der Barmherzigkeit erkennen und preisen lernen.
. . Wenn wir so fern in diesem Artikel geben, so bleiben
wir auf der rechten Bahn, wie geschrieben steht Hos. 13:
'Israel, daß du verdirbest, die Schuld ist dein; daß
dir aber geholfen wird, das ist lauter meine Gnade.' Was
aber in dieser Disputation zu hoch und aus diesen
Schranken laufen will, da sollen wir mit Paulo den Finger
auf den Mund legen, gedenken und sagen: 'Wer bist du,
Mensch, der du mit Gott rechten willst?"' Die
Konkordienformel beschreibt das Geheimnis, das uns hier
entgegentritt, nicht als ein Geheimnis im Herzen des
Menschen ("psychologisches" Geheimnis), sondern
lehrt, daß wir bei der Tatsache: "Einer wird
verstockt, verblendet, in verkehrten Sinn gegeben, ein
anderer, so wohl in gleicher Schuld, wird wiederum
bekehrt" das Gebiet der unbegreiflichen Gerichte und
unerforschlichen Wege Gottes betreten, die er uns in
seinem Wort nicht geoffenbart hat, die wir aber im ewigen
Leben erkennen werden, 1 Kor. 13, 12.
16.
Die Calvinisten lösen dieses Geheimnis, das Gott in
seinem Wort nicht geoffenbart hat, durch Leugnung der
allgemeinen Gnade, die Synergisten durch Leugnung des
"Allein aus Gnaden'. Beides sind ganz erschreckliche
Lösungen, weil sie der Schrift widersprechen und jeder
arme Sünder sowohl die uneingeschränkte allgemeine Gnade
als auch die uneingeschränkte alleinige Gnade
notwendig braucht, wenn er nicht in Verzweiflung umkommen
soll.
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8.
Von der Rechtfertigung.
17.
Was die Heilige Schrift von der Liebe Gottes zur
Sünderwelt, von der Erlösung, die durch Christum
geschehen ist, und von dein Glauben an Christum als
dereinzigen Weise, die Seligkeit zu erlangen, lehrt, das
faßt, sie, wie in einer Summa, in der Lehre von der Rechtfertigung
zusammen. Die Schrift lehrt nämlich, daß Gott die
ganze Welt in Christo bereits für gerecht erklärt hat,
Röm. 5, 19; 2 Kor. 5, 18 21; Röm. 4, 25, und daß
er daher nicht auf Grund ihrer Werke, sondern ohne des
Gesetzes Werke, allein aus Gnaden, um Christi willen,
alle diejenigen rechtfertigt, das ist, für
gerecht achtet, welche an Christum glauben, das
ist glauben, annehmen und darin beruhen, daß ihnen um
Christi willen ihre Sünden vergeben werden. So bezeugt
der Heilige Geist durch St. Paulus: "Es ist hie kein
Unterschied; sie sind allzumal Sünder und mangeln des
Ruhms, den sie an Gott haben sollten, und werden ohne
Verdienst gerecht aus seiner Gnade, durch die Erlösung,
so durch Christum Jesum geschehen ist", Röm. 3, 23.
24. Und abermal: "So halten wir es nun, daß der
Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein
durch den Glauben", Röm. 3, 28.
18.
Allein durch diese Lehre wird Christo seine Ehre gegeben,
daß er durch sein heiliges Leben und durch sein
unschuldiges Leiden und Sterben unser Heiland ist, und
allein durch diese Lehre haben arme Sünder beständigen Trost,
nämlich daß Gott ihnen gewißlich gnädig ist. Alle
Lehren, durch welche des Menschen eigene Werke und eigene
Würdigkeit in die Rechtfertigung vor Gott gemengt
werden, verwerfen wir als Abfall von der christlichen
Religion. Denn die christliche Religion ist der
Glaube, daß wir Vergebung der Sünden und die Seligkeit
durch den Glauben an Christum haben, Apost. 10,43.
19.
Als Abfall von der christlichen Religion verwerfen wir
nicht nur die Lehre der Unitarier, die dem
Menschen auf Grund seiner Tugendbestrebungen Gottes Gnade
in Aussicht stellen, auch nicht nur die grobe Werklehre
der Papisten, die ausdrücklich zur Erlangung der
Rechtfertigung auch des Menschen eigene Werke fordern,
sondern auch die Lehre aller Synergisten, die zwar
mit der christlichen Kirche reden und sagen, daß der
Mensch "durch den Glauben", "allein durch
den Glauben", gerecht werde, aber dadurch wieder
Menschenwerk in den Artikel von der Rechtfertigung
mengen, daß sie dem Menschen eine Mitwirkung zur
Entstehung des Glaubens zuschreiben und so auf
papistisches Gebiet sich verirren.
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9.
Von den guten Werken.
20.
Gut vor Gott sind nur die Werke, die Gott zu Ehren und
den Menschen zum Dienst nach der Richtschnur des
göttlichen Gesetzes getan werden. Solche Werke aber tut
kein Mensch, er glaube denn zuvor, daß Gott ihm ohne
alle eigenen Werke allein aus Gnaden, um Christi willen,
die Sünden vergeben und die ewige Seligkeit geschenkt
habe, Joh. 15,4.5. Wir verwerfen als eine große Torheit
die zu unserer Zeit vielgehörte Behauptung, daß die
Werke in den Vordergrund zu stellen seien und "der
Glaube an Dogmen" gemeint ist das Evangelium
von dem für die Sünden der Welt gekreuzigten Christus
in den Hintergrund treten müsse. Weil gute Werke
dem Glauben nie vorhergehen, sondern stets und in Wem
Fall nur eine Folge des Glaubens an das Evangelium sind,
so ist die einzige Weise, wie wir Christen an guten
Werken reich werden und das ist Gottes Wille an
uns, Tit. 2,14 , die unablässige Erinnerung an die
Gnade Gottes, die uns in Christo zuteil geworden ist,
Röm. 12, 1; 2 Kor. 8, 9. Wir verwerfen daher als
unchristlich und töricht, wenn der Versuch gemacht wird,
durch den Zwang des Gesetzes oder durch fleischliche
Beweggründe gute Werke zustande zu bringen.
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10.
Von den Gnadenmitteln.
21.
Wiewohl Gott überall in der ganzen Schöpfung
gegenwärtig ist und wirkt und daher die ganze Erde der leiblichen
Güter und Wohltaten Gottes von ist, Kol. 1, 17;
Apost. 17, 28; 14, 17, so halten wir doch auf Grund der
Schrift fest, daß Gott die von Christo erworbenen geistlichen
Güter, das ist, die Vergebung der Sünden und alle
damit verbundenen Güter und Gaben, nur durch die von ihm
geordneten äußeren Gnadenmittel dem Menschen darbietet
und mitteilt. Diese Gnadenmittel sind das Wort des
Evangeliums in allen Formen der Bezeugung und die
Sakramente der heiligen Taufe und des heiligen
Abendmahls. Das Wort des Evangeliums sagt die Gnade
Gottes zu, wirkt den Glauben und damit die Wiedergeburt
und gibt den Heiligen Geist, Apost. 20, 24; Röm. 10, 17;
1 Petr. 1, 23; Gal. 3, 2. Auch die Taufe geschieht zur
Vergebung der Sünden und ist deshalb auch ein Bad der
Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes, Apost.
2, 38; 22, 16; Tit. 3, 5. Ebenso ist der Zweck des
Abendmahls, das ist, der Darreichung des Leibes und
Blutes Christi, kein anderer als die Mitteilung und
Versiegelung der Vergebung der Sünden, wie die Worte
bezeugen: "für euch gegeben" und: 'Tür euch
vergossen zur Vergebung der Sünden", Luk. 22, 19.
20; Matth. 26, 28, und: "Dieser Kelch ist das neue
Testament in meinem Blut', 1 Kor. 11, 23; Jer. 31,
31 34 ("Neuer Bund").
22.
Weil Gott die von Christo erworbene Gnade und Seligkeit
nur durch die von ihm geordneten äußeren Mittel
auszuteilen verheißen hat, so soll die christliche
Kirche mit den ihr anvertrauten Gnadenmitteln nicht zu
Hause bleiben, sondern mit der Predigt des Evangeliums
und der Verwaltung der Sakramente in die ganze Welt
gehen, Matth. 28, 19. 20; Mark. 16, 15. 16. Aus demselben
Grunde sollen auch die Heimatkirchen nicht vergessen,
daß es keine andere Weise gibt, Seelen für die Kirche
zu gewinnen und bei der Kirche zu erhalten, als die treue
und fleißige Handhabung der von Gott eingesetzten
Gnadenmittel. Alle Mittel, die nicht Handhabung des
Wortes Gottes sind und ihr auch nicht dienen, verwerfen
wir als 44 neue Maßregeln", unkirchliche
Tätigkeiten, wodurch die Kirche nicht gebaut, sondern
geschädigt wird.
23.
Wir verwerfen als gefährlichen Irrtum die Lehre, durch
die einst die Kirche der Reformation zertrennt worden
ist, nämlich die Lehre, daß Gott Geist und Gnade nicht
durch die von ihm geordneten äußeren Mittel, sondern
durch eine unmittelbare Gnadenwirkung verleihe.
Bei dieser Irrlehre wird die Vergebung der Sünden oder
die Rechtfertigung auf eine erträumte "eingegossene
Gnade", also auf eine Beschaffenheit des Menschen,
gegründet und damit eine Rückkehr zur römischen
Werklehre ins Werk gesetzt.
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11.
Von der Kirche.
24.
Wir glauben eine heilige christliche Kirche auf
Erden, deren Haupt Christus ist und die Christus durch
das Evangelium sammelt, erhält und regiert.
Die
Glieder der christlichen Kirche sind die Christen, nämlich
die Menschen, die an ihrer eigenen Gerechtigkeit vor Gott
verzagt haben und glauben, daß Gott ihnen um Christi
willen die Sünde vergibt. Die christliche Kirche im
eigentlichen Sinne besteht nur aus gläubigen, Apost.
5,14; 26,18; das ist, keinem Menschen, der durch Wirkung
des Heiligen Geistes das Evangelium oder, was dasselbe
ist, die christliche Lehre von der Rechtfertigung glaubt,
ist die Gliedschaft in der christlichen Kirche
abzusprechen, und keinem Menschen, in dessen Herzen
dieser Glaube nicht wohnt, ist die Gliedschaft in der
christlichen Kirche zuzusprechen. Alle Ungläubigen, auch
wenn sie äußere Gemeinschaft mit der Kirche haben und
sogar das Lehramt und andere Ämter in ihr bekleiden,
sind nicht Glieder der Kirche, sondern Wohn und
Wirkungsstätten des Teufels, Eph. 2,2. So lehrt auch
unser lutherisches Bekenntnis: "Es ist gewiß, daß
alle Gottlosen in der Gewalt des Teufels sind und
Gliedmaßen seines Reiches, wie Paulus zu den Ephesern
sagt, daß 'der Teufel kräftig regiere in den Kindern
des Unglauben!? '" usw. (Apologie. Triglotta, S.
230, § 16; Müller, S. 154.)
25.
Weil allein der Glaube an das Evangelium zu einem Gliede
der christlichen Kirche macht, dieser Glaube aber dem
menschlichen Auge unsichtbar und allein Gott bekannt ist,
1 Kön. 8, 39; Apost. 1, 24; 2 Tirn. 2, 19, so ist die
christliche Kirche hier auf Erden unsichtbar, Luk.17,20,
und wird unsichtbar bleiben bis an den Jüngsten Tag,
Kol. 3,3.4. Neuere Lutheraner reden von zwei Seiten der
Kirche, indem sie die Gnadenmittel die "sichtbare
Seite" der Kirche nennen. Nun stehen zwar die
Gnadenmittel in notwendiger Verbindung mit der Kirche,
weil die Kirche durch die Gnadenmittel erzeugt und
erhalten wird. Aber die Gnadenmittel sind deshalb nicht
ein Teil der Kirche; denn die Kirche im eigentlichen
Sinne besteht nur aus gläubigen Menschen, Eph.
2,19.20; Apost. 5,14. Um nicht dein Gedenken Vorschub zu
leisten, als ob die Kirche im eigentlichen Sinne eine
äußere Anstalt wäre, bleiben wir dabei, die
Gnadenmittel die "Kennzeichen!" der Kirche zu
nennen. Wie der Weizen nur dort zu finden ist, wo er
gesät wird, so ist die Kirche auch nur dort zu finden,
wo Gottes Wort im Gebrauch ist.
26.
Von der Kirche, die die unsichtbare Gemeinschaft aller
Gläubigen ist, lehren wir, daß sie nicht nur in den
äußeren Kirchengemeinschaften sich findet, die Gottes
Wort in allen Stücken rein lehren, sondern auch dort, wo
neben Irrtümern noch so viel von Gottes Wort vorhanden
ist, daß Menschen zur Erkenntnis ihrer Sünden und zum
Glauben an die Vergebung der Sünden, die Christus für
alle Menschen erworben hat, kommen können. Mark. 16,16;
Samariter: Luk. 17, 16; Joh. 4, 25.
27. Die
Ortskirchen oder Ortsgemeinden. Die Heilige Schrift
redet aber nicht nur von der einen Kirche, die die
gläubigen an allen Orten umfaßt, wie Matth. 16,18; Job.
10, 16, sondern auch von Kirchen in der Mehrzahl, nämlich
von Ortskirchen, wie 1 Kor. 16, 19; 1, 2; Apost.
8, 1: von den Kirchen in Asien, der Kirche Gottes in
Korinth, der Kirche in Jerusalem. Das ergibt aber nicht zwei
Arten von Kirchen, weil auch die Ortskirchen, sofern
sie Kirchen sind, nur aus gläubigen bestehen, wie aus
den Briefadressen der Ortskirchen klar hervorgeht, z. B.:
"Der Gemeinde Gottes zu Korinth, den Geheiligten in
Christo Jesu, den berufenen Heiligen", 1 Kor. 1, 2;
Röm. 1, 7 usw. Der gemischte äußere Haufe wird im
uneigentlichen Sinne Kirche genannt, Matth. 13, 47-50.
24-30. 38-43
28. über
Kirchengemeinschaft. Weil es göttliche Ordnung ist,
daß in der christlichen Kirche nur Gottes Wort,
ohne Beimischung von Menschenlehren, gelehrt und geglaubt
wird, 1 Petr. 4, 11; Joh. 8, 31. 32; 1 Tim. 6, 3. 4, so
haben alle Christen Gottes Befehl, zwischen
rechtgläubigen und irrgläubigen Kirchengemeinschaften
zu unterscheiden, Matth. 7, 15, kirchliche Gemeinschaft
nur mit rechtgläubigen Gemeinschaften zu haben und, wenn
sie sich bereits in irrgläubige Gemeinschaften verirrt
haben, diese zu verlassen, Röm. 16,17. Den Unionismus,
das ist, die kirchliche Gemeinschaft mit falscher
Lehre, verwerfen wir als Ungehorsam gegen Gottes Ordnung,
als ein Trennunganrichten in der Kirche, Röm. 16, 17; 2
Joh. 9, 10, und als eine stete Gefahr, Gottes Wort ganz
zu verlieren, 2 Ilm. 2, 17 21.
29.
über die rechtgläubige Beschaffenheit (Orthodoxie)
einer Kirche entscheidet nicht der äußere Name, auch
nicht die äußere Verpflichtung auf ein rechtgläubiges
Bekenntnis, sondern die Lehre, die tatsächlich von
der Kanzel, in theologischen Schulen und in Schriften
gelehrt wird. Dagegen verliert eine Kirche nicht ihre
rechtgläubige Beschaffenheit durch Irrlehre, die
gelegentlich in ihr auftritt, aber bekämpft und durch
Lehrzucht beseitigt wird, Apost. 20, 30; 1 Tim. 1, 3.
30.
Die eigentlichen und ursprünglichen Besitzer alter
christlichen Rechte und Pflichten. Weil die Christen
die Kirche sind, so versteht es sich von selbst, daß
auch nur sie die ursprünglichen Besitzer aller
geistlichen Gaben und Rechte sind, die Christus seiner
Kirche erworben und gegeben hat, wie St. Paulus dies
allen gläubigen in Erinnerung bringt: "Alles ist
euer", 1 Kor. 3, 21. 22, und Christus selbst
allen gläubigen die Schlüssel des Himmelreichs
zuspricht, Matth. 16, 13 19; 18, 17 20; Joh. 20,
22. 23, und alle gläubigen mit der Predigt des
Evangeliums und der Verwaltung der Sakramente beauftragt
werden, Matth. 28, 19. 20; 1 Kor 11, 23 25.
Wir verwerfen daher alle Lehren, durch welche diese
Gewalt oder ein Teil derselben ursprünglich etwa
dem Papst oder den Bischöfen oder dem Stand der Pastoren
oder den weltlichen Fürsten oder Konzilien oder Synoden
usw. zugeschrieben wird. Die Verwaltung öffentlicher
Ämter durch einzelne Personen kommt, rechtmäßig durch
Übertragung seitens der ursprünglichen Besitzer
zustande und bleibt unter ihrer Aufsicht, Kol. 4,17. Alle
Christen haben natürlich auch Recht und Pflicht, über
die Lehre zu urteilen, freilich nicht nach ihren
Gedanken, sondern nach Gottes Wort, 1 Joh. 4, 1; 1 Petr.
4, 11.
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12.
Vom öffentlichen Predigtamt.
31.
Unter dem öffentlichen Predigtamt verstehen wir die
Predigt des Wortes Gottes und die Verwaltung der
Sakramente im Auftrag einer christlichen Gemeinde.
Von diesem Amte lehren wir, daß es göttliche Ordnung
sei; das ist, die Christen, die an einem Orte
zusammenwohnen, sollen nicht nur jeder für sich und im
Kreise der Familie, auch nicht nur im brüderlichen
Verkehr die Gnadenmittel in Übung halten, Joh. 5, 39;
Eph. 6, 4; Kol. 3, 16, sondern sie sollen nach
göttlicher Ordnung auch dafür sorgen, daß Gottes Wort
unter ihnen durch dazu tüchtige Personen, deren
Beschaffenheit und Amtsverrichtungen in der Schrift genau
bestimmt sind, öffentlich gepredigt und die Sakramente
nach Christi Einsetzung verwaltet werden, Tit. 1, 5;
Apost. 14, 23; 20, 28; 2 Tim. 2, 2.
32.
Obwohl das öffentliche Predigtamt göttliche Ordnung
ist, so hat es doch keine andere Gewalt als die Gewalt
des Wortes Gottes, 1 Petr. 4, 11; das heißt, die
Christen sind dem Predigtamt gegenüber zu unbedingtem
Gehorsam verpflichtet, wenn und sooft der Prediger Gottes
Wort verkündigt, Hebr. 13,17; Luk. 10, 16. Ginge aber
ein Prediger in seinem Lehren und Gebieten über Gottes
Wort hinaus, so wären die Christen nicht zum Gehorsam,
sondern zum Ungehorsam verpflichtet, um Christo treu zu
bleiben, Matth. 23, 8. Wir verwerfen daher die Irrlehre,
wodurch dem öffentlichen Predigtamt die Macht
zugeschrieben wird, in den Dingen, die Christus nicht
geboten hat, Unterwerfung zu fordern.
33.
Von der Ordination lehren wir, daß sie nicht
göttliche, sondern löbliche kirchliche Ordnung ist.
(Schmalkaldische Artikel. Triglotta, S. 524, §
70; Müller, S. 342.)
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13.
Von Kirche und Staat.
34.
Wiewohl beide, Kirche und Staat, Gottes Ordnung sind, so
dürfen sie doch nicht miteinander vermischt werden.
Kirche und Staat haben ganz verschiedene Zwecke. Durch
die Kirche will Gott die Menschen selig machen, weshalb
die Kirche eine "Mutter" der gläubigen heißt,
Gal. 4,26. Durch den Staat will Gott die äußere Ordnung
unter den Menschen aufrechterhalten, "auf daß wir
ein ruhig und stilles Leben führen mögen", 1 Tim.
2,2. Daher sind auch die Mittel, welche die Kirche und
der Staat zur Erreichung ihrer Zwecke anwenden, ganz
verschieden. Die Kirche darf keine andern Mittel anwenden
als die Predigt des Wortes Gottes, Joh. 18, 11. 36; 2
Kor. 10, 4. Der Staat hingegen gibt äußere, das
bürgerliche Leben betreffende Gesetze und gebraucht mit
Recht zur Durchführung derselben auch das Schwert und
andere leibliche Strafen, Röm. 13,4.
Wir
verwerfen daher die Weise derer, welche die äußere
Gewalt des Staates "zum Besten der Kirche"
verwendet wissen wollen und also aus der Kirche ein
weltliches Reich machen, sowie derer, welche aus dem
Staat eine Kirche zu machen suchen, indem sie den Staat
mit Gottes Wort regieren wollen.
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14.
Von der ewigen Erwählung.
35.
Unter Gnadenwahl verstehen wir die Tatsache, daß Gott
alle diejenigen, welche in der Zeit allein aus
Gottes Gnade, um Christi willen, durch die Gnadenmittel
zum Glauben kommen, gerechtfertigt, geheiligt und im
Glauben erhalten werden, schon von Ewigkeit aus
ebendemselben Grunde, also allein aus Gnaden, um
Christi willen, und auf dem Wege der Gnadenmittel mit
Glauben, Rechtfertigung, Heiligung und Erhaltung im
Glauben bedacht habe. Daß dies die Lehre der Schrift
sei, ersehen wir aus Eph. 1, 3 7; 2 Thess. 2, 13.
14; Apost. 13, 48; Röm. 8, 28 30; 2 Tim. 1, 9;
Matth. 24, 22 24. (Vgl. Konkordienformel. Trigtotta,
S. 1064, § 5. 8. 23; Müller, S. 705.)
36.
Wir verwerfen daher als schriftwidrigen Irrtum, wenn
gelehrt wird, daß nicht allein Gottes Gnade und Christi
Verdienst die Ursache der Gnadenwahl sei, sondern Gott
auch etwas in uns gefunden oder angesehen habe,
was ihn zu unserer Erwählung bewogen oder veranlaßt
habe, mag man dieses Gute "gute Werke",
"rechtes Verhalten", "rechte
Selbstentscheidung", "Unterlassung des
mutwilligen Widerstrebens" oder sonstwie nennen. Die
Schrift lehrt auch nicht eine Erwählung in Voraussicht
oder "in Ansehung des Glaubens", als ob der
Glaube der Erwählten vor ihre Erwählung zu stellen
wäre; sondern nach der Schrift gehört der Glaube, den
die Erwählten in der Zeit haben, zu den geistlichen
Gütern, mit denen Gott sie durch die ewige Erwählung
bedacht hat. Denn die Schrift lehrt Apost 13,48:
"Und wurden gläubig, wieviel ihrer zum ewigen Leben
verordnet waren"; und auch unser lutherisches
Bekenntnis bezeugt (Triglotta, S. 1064, § 8;
Müller, S. 705): "Die ewige Wahl Gottes sieht und
weiß nicht allein zuvor der Auserwählten Seligkeit,
sondern ist auch aus gnädigem Willen und Wohlgefallen
Gottes in Christo Jesu eine Ursache, so da unsere
Seligkeit, und was zu derselben gehört, schafft, wirkt,
hilft und befördert;darauf auch unsere Seligkeit also
gegründet ist, daß 'die Pforten der Hölle nichts
dawider vermögen sollen', wie geschrieben steht: 'Meine
Schafe wird mir niemand aus meiner Hand reißen.' Und
abermals: 'Und es wurden gläubig, so viele ihrer zum
ewigen Leben verordnet waren.' Matth. 16, 18; Joh. 10,
28; Apost. 13, 48."
37.
Aber so ernstlich wir festhalten, daß es eine Gnadenwahl
oder Prädestination zur Seligkeit gibt, so
entschieden lehren wir auch: Es gibt keine Zornwahl oder
Prädestination zur Verdammnis. Die Schrift
offenbart klar die Tatsache, daß Gottes Liebe zur
verlornen Sünderwelt allgemein ist, das ist, daß sie
sich auf alle Menschen ohne Ausnahme erstreckt, daß
Christus alle Menschen vollkommen mit Gott versöhnt hat
und daß Gott ernstlich will, daß alle Menschen zum
Glauben kommen, im Glauben bleiben und also selig werden,
wie die Schrift bezeugt 1 Tim. 2,4: "Gott will, daß
allen Menschen geholfen werde und zur Erkenntnis der
Wahrheit kommen!' Kein Mensch geht verloren, weil Gott
ihn zur ewigen Verdammnis bestimmt hätte. Die
ewige Erwählung ist eine Ursache, daß die Erwählten in
der Zeit zum Glauben kommen, Apost. 13,48; aber die ewige
Erwählung ist nicht eine Ursache, daß Menschen
bei der Predigt des Wortes Gottes ungläubig bleiben.
Diese traurige Tatsache begründet die Schrift damit,
daß die Menschen selbst sich nicht wert achten
des ewigen Lebens, indem sie Gottes Wort von sich stoßen
und dem Heiligen Geist, der auch sie sehr ernstlich durch
das Wort zur Busse und zum Glauben bringen will,
hartnäckig widerstreben, Apost. 13, 46; 7, 51; Matth.
23, 37.
38.
Freilich müssen wir auf Grund der Schrift zwischen dem
allgemeinen Gnadenwillen und der Gnadenwahl
unterscheiden. Der allgemeine Gnadenwille erstreckt sich
über alle Menschen, die Gnadenwahl nicht über alle,
sondern nur über eine bestimmte Anzahl, die Gott
Erwählt hat von Anfang zur Seligkeit, 2 Thess. 2,13,
über den "Rest", das "übrige",
Röm. 9,27 29, über die "Wahl", Röm. 11,
7; und während der allgemeine Gnadenwille bei den
meisten Menschen vereitelt wird, Matth. 22,14; Luk. 7,30,
so erreicht die Gnadenwahl bei allen, über die sie geht,
ihr Ziel, Röm. 8,28 30. Während aber die Schrift
zwischen dem allgemeinen Gnadenwillen und der Gnadenwahl
unterscheidet, so stellt sie beide doch nicht in
Gegensatz zueinander. Sie belehrt uns vielmehr, daß die
an die Verlorengehenden herantretende Gnade eine völlig
ernstliche und zur Bekehrung wirksame Gnade ist. Unsere
blinde Vernunft stellt allerdings beides in Gegensatz,
aber wir gebieten ihr Schweigen. Die Lösung der
scheinbaren Disharmonie kommt im ewigen Leben, 1 Kor.
13,12.
39.
Die Schrift versteht ferner unter Gnadenwahl nicht das eine
Stück des Heilsratschlusses Gottes, diejenigen, die
bis ans Ende im Glauben beharren, in die Seligkeit
einzuführen, sondern vielmehr dies, daß Gott vor
Grundlegung der Welt aus lauter Gnade auf Grund der
Erlösung Christi eine bestimmte Anzahl von Personen aus
der verderbten Masse sich als die Seinen zugeeignet und
sich vorgesetzt hat, sie durch Wort und Sakrament zum
Glauben und zur Seligkeit zu bringen.
40.
Daß die Christen ihre ewige Erwählung erkennen können
und sollen, lehrt die Schrift, indem sie die Christen als
Erwählte anredet und mit ihrer Erwählung tröstet, Eph.
1, 4; 2 Thess. 2,13. Diese persönliche Erkenntnis der
ewigen Erwählung entsteht aber nur durch den Glauben an
das Evangelium, das ist, durch den Glauben an die
Tatsache, daß Gott die Welt also geliebt hat, daß er
seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn
glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben
haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die
Welt, daß er die Welt richte, sondern er hat durch
seines Sohnes Leben, Leiden und Sterben die ganze
sündige Welt mit sich selbst vollkommen versöhnt.
Der Glaube an diese Tatsache schließt den Gedanken
aus, daß Gott möglicherweise auch noch Gedanken des
Zorns und der Verdammnis über uns haben könnte. So
unterweist uns die Schrift Röm 8, 32.33: Gott hat
"auch seines eigenen Sohnes nicht verschonet,
sondern hat ihn für uns alle dahingegeben; wie sollte er
uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die
Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hie' der da
gerecht macht". Schriftgemäß ist daher auch
Luthers seelsorgerliche Anweisung: "Schaue an die
Wunden Christi und das für dich vergossene Blut; daraus
wird die Prädestination hervorleuchten.' (Zu 1 Mose 26,
9. St. Louiser Ausg. 11, 181.) Ebenso lehrt unser
lutherisches Bekenntnis über die Art und Weise der
persönlichen Erkenntnis der ewigen Erwählung
(Konkordienforrnel. Triglotta, S. 1070, § 26; Müller,
S. 709): "Hiervon sollen wir nicht urteilen nach
unserer Vernunft, auch nicht nach dem Gesetz oder aus
einigem äußerlichem Schein; auch sollen wir uns nicht
unterstehen, den heimlichen, verborgenen Abgrund
göttlicher Vorsehung zu (er) forschen,sondern auf den
geoffenbarten Willen Gottes achtgeben. Denn 'er hat uns
offenbaret und wissen lassen das Geheimnis seines Willens
und hat dasselbige hervorgebracht durch Christum, daß es
geprediget werde', Eph. 1, 9 ff.;2 Tim. 1, 9f.'' Um die
rechte Betrachtung und die persönliche, Erkenntnis der
ewigen Erwählung sicherzustellen, legt unser
lutherisches Bekenntnis ausführlich dar, daß die
Erwählung nicht "bloß" (nude) zu betrachten
sei, als ob Gott "allein solche Musterung gehalten
hätte: Dieser soll selig werden, jener soll verdammt
werden" (Konkordienformel. Triglotta, S. 1064, § 9;
Müller, S. 706), sondern die Schrift führt
"diese Lehre nicht anders denn also, daß sie uns
dadurch zum Wort weist, Eph. 1; 1 Kor. 1, zur Busse
vermahnt, 2 Tim. 3, zur Gottseligkeit anhält, Eph. 1;
Joh. 15, den Glauben stärkt und unserer Seligkeit uns
vergewissert, Eph. 1; Joh. 10; 2 Thess. 2".
(Konkordienforrnel. Triglotta, S. 1066 § 12; Müller, S.
707.) In Summa, wie Gott in der Zeit die Christen
durch das Evangelium zu sich zieht, so hat er sie schon
in seiner ewigen Erwählung mit der Heiligung des Geistes
und dem Glauben der Wahrheit bedacht, 2 Thess. 2, 13.
Wenn du darum durch Gottes Gnade an das Evangelium von
der Vergebung der Sünden um Christi willen glaubst, so
sollst du gewiß sein, daß auch du zur Zahl der
Auserwählten gehörst, wie die Schrift 2 Thess. 2, 13
die gläubig gewordenen Thessalonicher als Erwählte
anredet und Gott für ihre Erwählung dankt.
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15.
Vom Sonntag.
41.
Wir lehren, daß Gott im Neuen Testament den Sabbat und
alle der Kirche Alten Bundes gebotenen Feiertage abgetan
hat, so daß "weder die Haltung des Sabbats noch
eines andern Tages", auch nicht die Feier wenigstens
irgendeines aus sieben Wochentagen von Gott geordnet oder
geboten ist, Kol. 2,16; Röm. 14,5. (Augsburgische
Konfession. Triglotta, S. 90, § 51 60; Müller, S.
66.)
Die
Ordnung des Sonntags und anderer kirchlichen Feiertage
ist eine von der Kirche in christlicher Freiheit
eingeführte Ordnung. (Augsburgische Konfession.
Triglotta, S. 90, § 51 53. 60. Großer Katechismus.
Triglotta, S. 602, § 83. 85. 89; Müller, S. 401.)
Solche Ordnung sollen die Christen daher nicht für eine
das Gewissen verbindende, von Gott gesetzte Ordnung
halten, Kol. 2,16; Gal. 4, 10. Jedoch sollen sie um der
Liebe und des Friedens willen sich in solche Ordnung
schicken, Röm. 14,13; 1 Kor. 14, 40. (Augsburgische
Konfession. Triglotta, S. 90, § 53 56; Müller, S.
67.)
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16.
Vom Chiliasmus
42.
Mit der Augsburgischen Konfession (Art. 17) verwerfen wir
allen und jeden Chiliasmus, nämlich die Lehren, nach
welchen Christus tausend Jahre vor dem Ende der Welt
wieder auf Erden erscheinen und die Kirche zur Herrschaft
über die Welt führen werde oder vor dem Ende der Welt
für die Kirche eine besondere Blütezeit auf Erden zu
erwarten sei oder vor der allgemeinen Auferstehung am
Jüngsten Tage eine Anzahl entschlafener Christen oder
Märtyrer zur Herrlichkeit und Herrschaft auf Erden werde
auferweckt werden oder vor dem Ende der Welt noch eine
allgemeine Judenbekehrung (des Israel nach dem Fleisch)
stattfinden werde.
Wir
bekennen vielmehr auf Grund der klaren Schrift: daß das
Reich Christi auf Erden ein Reich unter dem Kreuze
bleiben wird bis ans Ende der Welt, Apost. 14,22; Joh.
16, 33; 18, 36; Luk. 9, 23; 14, 27; 17, 20 ff.; 2 Tim. 4,
18; Hebr. 12, 28; Luk. 18, 8; daß der Herr nur noch
einmal sichtbar auf Erden erscheinen wird, nämlich um zu
richten die Lebendigen und die Toten, Matth. 24, 29. 30;
25, 31; 2 Tim. 4, 1; 2 Thess. 2, 8; Hebr. 9, 26 28;
daß es nur eine Auferstehung der Toten gibt, Joh.
5, 28; 6, 39. 40; daß die Zeit des Jüngsten Tages
verborgen ist und bleibt, Matth. 24, 42; 25, 13; Mark.
13, 32. 27; Apost. 1, 7, was nicht der Fall wäre, wenn
der Jüngste Tag tausend Jahre nach Beginn eines
Tausendjährigen Reiches kommen sollte; daß es keine
allgemeine oder Gesamtbekehrung des jüdischen Volkes
geben wird, Röm. 11, 7; 2Kor. 3, 14; Röm. 11, 25;
1Thess. 2, 16.
Auf
Grund der angeführten klaren Schriftstellen verwerfen
wir allen Chiliasmus, weil dadurch nicht allein der
Schrift widersprochen wird, sondern weil er auch eine
falsche Vorstellung von Christi Reich erzeugt, die
Hoffnung der Christen auf irdische Ziele lenkt 1 Kor. 15,
19; Kol. 3,2, und den Christen die Schrift unklar macht.
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17.
Vom Antichrist
43.
Vom Antichrist lehren wir, daß die Weissagungen der
Heiligen Schrift von dem Antichrist 2 Thess. 2,
3 12; 1 Joh. 2, 18, im römischen Papst und seinem
Reich erfüllt sind. Auch die "schlimmsten und
schrecklichsten Züge" dieser Weissagungen, nämlich
daß der Antichrist im Tempel Gottes sitzt und sich
gebärdet, als wäre er Gott, 2 Thess. 2,4; daß er das
Herz des Evangeliums Christi, nämlich die Lehre von der
Vergebung der Sünden allein aus Gnaden, allein um
Christi willen, allein durch den Glauben, Röm.
3,20 28; Gal. 2,16, ohne jegliches eigenes Verdienst
oder Würdigkeit, verflucht und nur diejenigen ab Glieder
der christlichen Kirche anerkennt, welche sich ihm
unterwerfen; daß er wie ein alles überflutender Strom
mit seiner antichristischen Lehre die ganze Kirche
überflutet hat, bis Gott durch die Reformation ihn
offenbar machte: alle diese und andere Züge der
Weissagung sind im Papsttum erfüllt. (Cf.
Schmalkaldische Artikel. Triglotta, S. 514, §
39 41; S. 400, § 45; Müller, S. 336,258.) Wir
bekennen daher mit unserm Bekenntnis, daß der Papst
"der rechte Endechrist oder Widerchrist sei".
(Schmalkaldische Artikel. Triglotta, S. 474, § 10;
Müller, S. 308.)
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18.
Von offenen Fragen.
44.
Offene Fragen auf dem Gebiet der christlichen Lehre
können wir solche Fragen nennen, die in der Heiligen
Schrift entweder gar nicht oder doch nicht klar
beantwortet werden. Da es keine Fortbildung oder Mehrung
der christlichen Lehre, weder durch einzelne Personen
noch durch die ganze Kirche, gibt, sondern vielmehr das
Bleiben an der Lehre der Apostel göttliche Ordnung und
Gebot ist, 2 Thess. 2, 15; Apost. 2, 42, so müssen
offene Fragen offene Fragen bleiben. Offene Fragen
sind nicht die Lehre von Kirche und Amt, vom Sonntag, vom
Chiliasmus und vom Antichrist, weil über diese Lehren
klar in der Schrift entschieden ist.
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19.
Von den Symbolen der lutherischen Kirche.
45.
Wir bekennen uns zu allen Symbolen, die im Konkordienbuch
vom Jahre 1580 enthalten sind. Die Symbole der
lutherischen Kirche sind nicht eine Glaubensregel außer
und neben der Heiligen Schrift, sondern ein Bekenntnis
zur Lehre der Schrift dem aufgetretenen Irrtum
gegenüber.
46.
Weil die christliche Kirche keine Lehre machen, sondern
nur die in der Heiligen Schrift geoffenbarte Lehre
bekennen kann und soll, so sind die Lehrentscheidungen
der Symbole für uns gewissensverbindlich nicht deshalb,
weil sie von unserer Kirche aufgestellt sind, auch nicht
deshalb, weil sie durch einen Lehrkampf hindurchgegangen
sind, sondern lediglich deshalb, weil sie
Lehrentscheidungen der Heiligen Schrift selbst sind.
47.
Diejenigen, welche ein öffentliches Lehramt in der
lutherischen Kirche begehren, verpflichten sich, den
lutherischen Symbolen gemäß zu lehren, nicht
"insofern", sondern "weil" die
Symbole mit der Schrift übereinstimmen. Wer die in den
lutherischen Symbolen enthaltene Darlegung der Lehre und
die Verwerfung der entgegenstehenden Irrtümer nicht als
schriftgemäß erkennen kann, ist nicht zum Lehramt in
der lutherischen Kirche zuzulassen.
48.
Die Verpflichtung auf die Symbole erstreckt sich auf alle
Lehren, mögen sie ausdrücklich als Lehren bezeichnet
oder nur zur Begründung anderer Lehren verwendet werden.
Die Verpflichtung erstreckt sich nicht auf geschichtliche
Angaben, "rein exegetische Fragen" und andere
Dinge, die nicht zum Lehrinhalt der Symbole gehören.
Alle Lehren der Symbole sind auf klare
Schriftaussagen gegründet.
©
Copyright der Neuauflage Pfr. Martin Blechschmidt März
2001
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